13. Mai 2020

KUNSTWERK DES MONATS

in Berg

NÄCHSTE AUSSTELLUNG


Kunstwerk des Monats
Das „Kunstwerk des Monats“ schafft einen Raum der Begegnung an der Schnittstelle zwischen Kunst und Religion, es will Künstler, Kulturschaffende und Kunstinteressierte vernetzen und Menschen über zeitgenössische Kunst miteinander ins Gespräch bringen. Seit Januar 2011 wird immer am zweiten Mittwoch eines Monats im Rahmen eines kleinen Empfangs im evangelischen Gemeindehaus in Berg ein Künstler mit einem ausgewählten Werk vorgestellt.


Kuratorin: Katja Sebald - www.katjasebald.de

Kooperationsprojekt der Evangelischen Kirchengemeinde Berg mit dem Kulturverein Berg.


Onlinepräsentation HIER!

am 13. Mai 2020

um 19:30h









Grafiker & Fotograf



Initiator von

www.ammersee.one


2ter Vorsitzender des

"Heimatverein Diessen e.V."


im Vorstand der

"ADK - Arbeitsgemeinschaft Diessener Kunst"


Initiator der Ausstellung:
"Das Schwarze Loch"

5. bis 14. August 2016


Grafik & Marketing für

PURE IDENTITY & MEDAVITA

Aktion: "Kunst für zu Haues"


10x10 cm je 40 €

Katja Sebald, Jörg Kranzfelder, Pfarrer Johannes Habdank, Kunstwerk des Monats Mai 2020

Katja Sebald, Jörg Kranzfelder, Pfarrer Johannes Habdank

Wowo Habdank

Rainer Maria Rilke


DER PANTHER
IM JARDIN DES PLANTES, PARIS

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.


Gelesen von: Wowo Habdank

Scheinbar unscheinbar:

Kunstwerk des Monats

mit Jörg Kranzfelder


Im Mai ist der Dießener Künstler und Fotograf Jörg Kranzfelder zu Gast im Katharina-von-Bora-Haus in Berg. Im Rahmen der Reihe Kunstwerk des Monats zeigt er seine Fotografie „Elefant“. Der Schauspieler Wowo Habdank (wowohabdank.de) wird dazu einen Text von Rainer Maria Rilke lesen.


Jörg Kranzfelder wurde 1974 in Freiburg im Breisgau geboren. Nach Stationen in Stuttgart und München lebt und arbeitet er in Dießen am Ammersee, wo er sehr aktiv in der regionalen Kunstszene tätig ist: Er ist zweiter Vorsitzender des Heimatvereins Dießen, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst (ADK) und Initiator der Plattform ammersee.one für Kunst und Kunsthandwerk „made am Ammersee“.


Als künstlerischer Autodidakt ist Jörg Kranzfelder bekannt für seine Fotografien, die eine scheinbar unscheinbare Realität abbilden und zugleich das Sichtbare unsichtbar machen.


Katja Sebald

www.katjasebald.de





BIRGIT KREMER

ÜBER JÖRG KRANZFELDER

In Zeiten von Photoshop und digitaler Bildbearbeitung ist es oft nicht einfach, in der Fotokunst die Spreu vom Weizen zu trennen, lässt sich doch der eine oder andere Mangel einer fotografischen Momentaufnahme im Nachhinein kaschieren. „Fotografie hat eine große Ehrlichkeit,“ erklärte die große Fotografin Herlinde Koelbl in einem Interview der Süddeutschen Zeitung. Und auch wenn sie diese Aussage in erster Linie auf die von ihr porträtierten Menschen bezog, gilt sie doch weit darüber hinaus.

Der Fotograf Jörg Kranzfelder verzichtet freiwillig auf die Möglichkeiten, die die moderne Technik zur Verfügung stellt, seine oft mit dem Smartphone aufgenommenen Bilder sind die unverfälschte Wiedergabe dessen, was sein künstlerisches Auge wahrnimmt. Damit ist ihnen die von Herlinde Koelbl beschriebene Ehrlichkeit auf eine sehr unmittelbare und authentische Weise immanent.


Die großen Stärken des 1974 in Freiburg im Breisgau geborenen Autodidakten liegen zum einen in der Wahrnehmung auf den ersten Blick unscheinbarer Motive und deren kleinste Details, zum anderen in der Wahl des Blickwinkels und Bildausschnitts, mit Hilfe derer er seine fotografischen Momentaufnahmen komponiert.


Die so entstandenen Bilder sind von eindrücklicher Präsenz und verraten wie nebenbei auch viel über das grafisch geschulte Auge des Künstlers.

Es sind weniger genau definierte Themenbereiche, mit denen er sich in seiner fotografischen Arbeit auseinandersetzt, doch zieht sich ein – wenn auch manchmal sehr lose – verbindender, roter Faden durch sein fotografische Werk, welcher im weitesten Sinn als ein metaphysischer bezeichnet werden kann. So entstand erst vor wenigen Jahren eine Werkreihe, die in der Gegenüberstellung von Altem und Neuem von Verlust und Neubeginn erzählt.

Ein Paar alte und ein Paar neue Turnschuhe symbolisieren verschiedene Lebensabschnitte, ihre ebenso lakonische wie ästhetische Wiedergabe erzeugt beim Betrachter zwar Melancholie, setzt jedoch gleichzeitig eine schier grenzenlose Assoziationskette in Gang. In den beiden schlichten Aufnahmen kumuliert die gesamte Bandbreite von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Geburt, Leben und Tod. Der einzigartige Moment ist, kaum da, schon wieder verflogen. Dieser Unwiederbringlichkeit stellt Jörg Kranzfelder mit seinen Aufnahmen die ruhige Gewissheit entgegen, dass es Momente voller Schönheit und Glück, aber auch voller Trauer und Verlorenheit immer wieder geben wird. Der Wechsel von Vergänglichkeit und Erneuerung scheint die einzige Konstante von wahrhaftiger Dauer zu sein. Der Betrachter wird dennoch nicht ohne Hoffnung oder gar trostlos zurückgelassen, sondern auf subtile Weise dazu gebracht, über das Leben in seiner ungeheuren Komplexität und Vielfalt zu staunen.


Dem nüchternen, unverstellten und intensiven Blick des Fotografen sind auch seine neuesten Arbeiten zu verdanken, in denen er unscheinbare Alltagsmomente aus ihrer Umgebung herauslöst und unaufgeregt aber bestimmt inszeniert. Auffällig ist in erster Linie die ungewöhnliche Perspektive, die er seinen Motiven gegenüber einnimmt und die gewissermaßen sein Markenzeichen ist. Eine Himmelsleiter, die den Betrachterblick rasant nach oben zieht, 

ein Wollknäuel auf einer Wiese, das sich bei genauerem Hinsehen als Stacheldraht entpuppt – Jörg Kranzfelder versteht es, seine Motive zu verfremden und gleichzeitig in ihrer unverfälschten Realität abzubilden. Es ist ein Vexierspiel, dass der Künstler mit seinen Bildern und seine Bilder mit dem Betrachter treiben und das den Blick weit über das Abgebildete hinaus öffnet. 


Dabei ist dem Künstler kein Motiv zu profan oder zu alltäglich, im Gegenteil, auch das Banale oder Hässliche, wie zum Beispiel eine Autobahnbrücke aus Ortbeton wird bildwürdig und gewinnt im konzentrierten Blick des Fotografen eigene Schönheit. 

Aus dem Profanen und Alltäglichen entsteht durch die Nobilitierung zum darstellungswürdigen Objekt etwas Neues, es wird Kunst. 

In den jüngeren Arbeiten von Jörg Kranzfelder spielt es daher keine Rolle, ob ein von ihm gewähltes Motiv nach üblichen Maßstäben schön oder hässlich, alltäglich oder besonders ist.

Die von ihm gewählte Perspektive und der von ihm festgelegte Bildausschnitt heben das Bildobjekt mühelos auf eine Ebene der Wahrnehmung, auf der jedwede Adjektive ihre Bedeutung verlieren.

Die Konzentration des Fotokünstlers auf die pure, durch nichts geschönte Realität genügt, um alle anderen Kategorien in den Hintergrund rücken und unwichtig werden zu lassen. Im Mittelpunkt dieser intensiven Momentaufnahmen steht nicht mehr, aber auch nicht weniger als die reine Präsenz der dargestellten Objekte, in einem Augenblick noch vorhanden, im nächsten oder übernächsten vielleicht schon verschwunden, zumindest jedoch, manchmal kaum spürbar, verändert.


Unscheinbares, Unbeachtetes und Nebensächliches gewinnt so an Wert, der weit über die Darstellung in eine metaphysische Dimension weist und bekommt eine zeitlose Ästhetik verliehen, die nicht zuletzt aus der sachlichen Betrachtungsweise des Fotografen resultiert.


Jörg Kranzfelder dokumentiert mit seinen Aufnahmen die Schönheit eines Augenblicks genauso wie seine hässlichen, vielleicht sogar abstoßenden, manchmal traurigen oder trostlosen Erscheinungsformen, seine Einzigartigkeit und seine Flüchtigkeit. 

Die Arbeiten des Künstlers sind auf ihre Art Bild gewordene philosophische Auseinandersetzungen mit der eigenen wie der Existenz an sich. 

Damit verlangen sie jedoch auch waches und aktives Interesse vom Betrachter. Es sind keine Bilder, die sich dem oberflächlichen Blick öffnen oder sich auf Anhieb erschließen.

Erst das genaue Hinsehen entführt und öffnet Perspektiven, die gerne genauso ungewöhnlich sein dürfen, wie diejenigen, die der Fotograf seinen Motiven gegenüber eingenommen hat. 

 

Der Blick des Künstlers auf sein Motiv ist ebenso unvoreingenommen wie unerbittlich, ebenso distanziert wie emphatisch, dabei immer frisch und neugierig. Sein Auge ist stets auf der Suche und wird da fündig, wo sich der Alltagsblick abwendet. 


Reiz und Faszination seiner Arbeiten bestehen nicht zuletzt im Spannungsbogen zwischen profanem Bildgegenstand und künstlerischer Inszenierung, vermeintlicher Hässlichkeit und ruhiger Bildästhetik. 

Dem Transitorischen, das die menschliche Existenz charakterisiert, verleiht Jörg Kranzfelder so, wenn auch nur vorübergehend, Dauer. 

Der moderne Mensch ist heute einer Bilderflut ausgesetzt, wie es sie in dieser Form noch nie gegeben hat. Das suchende Auge von Jörg Kranzfelder wählt seinen darzustellenden Gegenstand sorgfältig aus und inszeniert ihn auf unaufdringliche, aber unübersehbare Weise. 


Seine Fotografien sind eine Einladung an den Betrachter, innezuhalten und (wieder) zum mündigen Entdecker seiner eigenen Umgebung und deren oftmals nur vermeintlich unscheinbarer Details zu werden. 

Wer sich auf die Bilder von Jörg Kranzfelder einlässt, erfährt die Welt durch einen anderen Blickwinkel, der das eigene Sehen positiv beeinflusst. Im besten Fall gewinnt der Betrachter durch die Reflexion über das eigene Wahrnehmungsverhalten die Kompetenz zurück, aus der ihn umgebenden Bilderflut das tatsächlich Sehenswerte herauszufiltern. Dass dazu auch die eine oder andere Fotografie von Jörg Kranzfelder gehören wird, versteht sich von selbst.


Birgit Kremer





VERGANGENE

AUSSTELLUNGEN

Kunstwerk des Monats, Katja Sebald, Jörg Kranzfelder

13. Mai 2020

KUNSTWERK DES MONATS

in Berg

Das „Kunstwerk des Monats“ schafft einen Raum der Begegnung an der Schnittstelle zwischen Kunst und Religion.


Mehr lesen

5.-14. August 2016

DAS SCHWARZE LOCH

in Diessen am Ammersee

Inspiriert von David Bowie, Albert Einstein und Maximilian Schell, so bringt es Leopold Ploner auf den Punkt.


Mehr lesen

Unikat Diessen, Wolfgang van Elst, Martin Gensbaur, Jörg Kranzfelder

25-29. April 2016

EIN — FLUSS

im UNIKAT Diessen

Ende April 2016 zieht sich Jörg Kranzfelder aus dem UNIKAT zurück und macht Platz für Neues. 


Mehr lesen

Derzeit hat der Pavillon am See geschlossen.


www.diessener-kunst.de

KONTAKTIEREN SIE UNS

© Jörg Kranzfelder


Impressum & Datenschutz